Mittwoch, 1. April 2015

Wir leben nicht auf Okinawa.



Nein, das tun wir nicht. Wir leben auch nicht alle auf dem Land, und die Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten 100 Jahren wesentlich verändert.
Können wir trotzdem etwas davon in unser eigenes Methusalem-Konzept integrieren?

Erstens: Ernährung.
Mal ganz ehrlich: Wie ist es um deine Ernährung bestellt? Kommst du auf deine fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag? Wenn nicht, probier Folgendes aus:
-          Fang an mit einem Stück mehr Obst am Tag. Wenn dir das schwer fällt, fang mit Saft an. Du magst kein Obst? Dann geh mal auf einen großen Markt oder in einen Laden mit einer großen Frischabteilung und lass dich inspirieren. Probier auch Dinge, die du nicht kennst. Und wenn es gar nichts wird mit Obst, nimm stattdessen Gemüse.
-          Tausche die Größenverhältnisse auf deinem Teller. Viele Menschen essen zum Beispiel viele Nudeln mit wenig Gemüse – probier’s anders herum. Man braucht nicht unbedingt viele Kohlenhydrate um satt zu werden, das ist eine Sache der Gewohnheit. Bei Mahlzeiten mit Eiweißanteil probier die Drittelregel: Ein Drittel Gemüse, ein Drittel Kohlenhydrate (Reis, Nudeln, Kartoffeln…), ein Drittel Eiweiß (Fleisch, Fisch, Tofu, Käse…).
-          Iss möglichst bunt. Ideal wäre es, wenn du es schaffst, jeden Tag etwas von jeder Farbe zu essen. Wenn das nicht klappt, schau, dass es sich über die Woche ausgleicht.
-          Bereite dein Essen möglichst selbst zu und kaufe möglichst wenig fertig Zubereitetes. Falls doch, achte darauf, dass die Zutatenlisten möglichst kurz sind, dass nichts darin steht, das du nicht verstehst und dass Zucker und Salz möglichst weit hinten stehen (von dem, was ganz am Anfang der Liste steht, ist am meisten drin). Du hast keine Idee, was du kochen sollst? Dann lass dich von Seiten wie eatsmarter.de inspirieren. Du kannst nicht kochen? Dann mach einen Kochkurs, an vielen Volkshochschulen gibt es für jeden Geschmack etwas. Du bist viel unterwegs? Dann leg dir eine Klickbox oder eine Bentobox zu, Suppen lassen sich auch gut in Schraubgläsern transportieren. Ideen für den Inhalt gibt es zum Beispiel auf www.nekobento.com.
-          Iss weniger Zuckerhaltiges. Dazu gehören neben Süßigkeiten auch Stückchen vom Bäcker oder Süßgetränke. Dann klappt’s auch mit Obst und Gemüse besser.
-          Iss weniger Fleisch und Milchprodukte. Wenn du Diabetes hast, sei vorsichtig mit Obst, es enthält Fructose.
-          Schaffst du es, einen Tag lang auf Getreide und tierische Produkte zu verzichten? Dann mach das regelmäßig einmal pro Woche. Das machst du schon? Dann probier’s mit zwei Tagen.
-          Dein Bauch macht dir Kummer und du weißt nicht so recht warum? Dann mach dich mit der FODMAP-Theorie vertraut. Beginne damit, dass du für eine paar Tage nur Lebensmittel aus dem grünen Bereich isst und dann nach und nach Lebensmittel aus dem roten Bereich austestest. Lasse dabei nur die Lebensmittel aus, bei denen du dir sicher bist, dass du dagegen allergisch bist, um herauszubekommen, woran es wirklich liegt.
-          Wenn du bestimmte Lebensmittel nicht verträgst oder eine chronische Krankheit hast, lass von einem Ernährungsberater prüfen, ob du mit der Nahrung alle wichtigen Nährstoffe erhältst. Für einen ersten Überblick kannst du Online-Ernährungstagebücher wie das von FDDB in Anspruch nehmen. Wenn es keine triftigen gesundheitlichen Gründe gibt, die dagegen sprechen, sollten alle Nahrungsmittelgruppen regelmäßig in der Ernährung vorkommen. Wenn eine Nahrungsmittelgruppe wegfällt, sollte sie ersetzt werden. Bei manchen Krankheiten verbraucht der Körper von manchen Nährstoffen mehr als man mit der Nahrung zuführen kann, in diesem Fall sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll – aber bitte nur dann ergänzen, wenn wirklich ein Mangel vorliegt. Die unterschiedlichen Nährstoffe bilden im Körper ein sensibles Gleichgewicht, wenn man ohne triftigen Grund daran herumschraubt, kann es durchaus aus der Balance kommen. Du weißt nicht, wie du an einen Ernährungsberater kommst? Dann frag bei deiner Krankenkasse nach.

Weshalb ich so oft sage „probier’s aus“? Weil jeder Mensch unterschiedlich ist und nicht bei allen das gleiche funktioniert. Aber schau wirklich, ob die Art und Weise, wie du dich verhältst und ernährst tatsächlich die ist, die dir am besten tut, und nicht nur die, an die du dich gewöhnt hast.


Zweitens: Bewegung.
Bist du ein Couch-Potato oder ein Fitness-Ass? Die meisten bewegen sich irgendwo dazwischen… und bewegen sich de facto viel weniger als sie das von sich denken. Die Ausreden sind vielfältig: die Arbeit, der Stress, zu viele Termine, nicht richtig gesund, zu viel gegessen – und überhaupt, die Fingergymnastik auf der Tastatur ist doch auch Bewegung, oder? Hier ein paar erste Schritte, wie es besser werden kann:
-          Sei ehrlich. Beobachte dich und schau, wie viel du dich tatsächlich bewegst. Und wenn du schummelst, bescheißt du niemand anderes als dich selbst.
-          Fang mit kleinen Schritten an: Nimm die Treppe statt dem Aufzug, steig eine Haltestelle früher aus, fahr mit dem Fahrrad zum Einkaufen, geh abends eine Runde um den Block.
-          Was auch immer du tust, mach es regelmäßig. Dein Herz-Kreislauf-System ist schon mit einer halben Stunde zügiger Bewegung am Tag glücklich, und davon profitiert es mehr als wenn du dich am Wochenende total auspowerst und den Rest der Woche nichts mehr machst.
-          Such dir eine Sportart, die dir Spaß machst. Wenn du kein Sport-Freak bist, dann probier Dinge aus, die du noch nicht kennst: Joggen, Wandern, Fußball, Indiaca, Yoga, Capoeira, Karate, Bogenschießen – es gibt bestimmt etwas, das dir Freude bereitet. Und such dir Gleichgesinnte, zusammen trainieren macht erstens mehr Spaß, zweitens fällt es einem dann leichter dabeizubleiben. Und drittens tust du damit auch gleich etwas für Punkt vier. Schau was die Sportvereine in deiner Umgebung anbieten, oder die Volkshochschulen.
-          Wenn es keinen geeigneten Sportverein in deiner Umgebung gibt oder wenn du Inspirationen suchst, guck dich auf youtube um, vielleicht findest du dort etwas, du kannst auch mit DVDs arbeiten. Aber wenn eine Sportart neu für dich ist, mach bei einem Trainer, der dich korrigieren kann, zumindest einen Anfängerkurs – sonst können sich leicht Fehler und Haltungsschäden einschleichen.

Drittens: Die Arbeit.
Was für einen Bezug hast du zu deiner Arbeit? Machst du sie nur um Geld zu verdienen? Oder ist das, was du tust, deine Berufung?
-          Jobs um Geld zu verdienen sind okay. Von irgendetwas muss man leben, und nicht immer winkt dafür der Traumjob. In vielen Jobs kann man eine Menge über sich und Andere lernen, Kontakte aufbauen und pflegen, oder sich gemeinsam mit den Gegebenheiten eines unangenehmen Jobs arrangieren.
-          Es ist wundervoll, wenn du das arbeiten kannst, wozu du dich berufen fühlst. Du weißt nicht, was deine Berufung ist? Dann krieg heraus, was du gut kannst und was du Spaß machst. Hör auf das, was Andere dir sagen und hör auf das, was dein Herz dir sagt. Probier Dinge aus, die du noch nie gemacht hast. Nicht alle Talente sind in dem verborgen, was in den meisten Schulen auf dem Stundenplan steht. Finde heraus, wofür dein Herz schlägt und worin du gut bist.
-          Die Aufgabe, die dein Herz berührt, muss nicht unbedingt bezahlt sein (auch wenn es toll ist, wenn das der Fall ist). Tu was deine Leidenschaft ist, auch wenn Andere nicht viel davon halten. Mach dein Ding.

Viertens: Gemeinschaft.
Mit wem pflegst du soziale Kontakte? Familie? Arbeitskollegen? Der Gemüsehändler und der Postler? Und wie sieht’s ansonsten aus?
-          Schau dir an, mit wem du die meisten Kontakte pflegst. Sind sie hauptsächlich beruflicher oder privater Natur?
-          Konzentrier dich für einen Moment auf deine beruflichen Kontakte. Empfindest du sie vor allem als Verpflichtung oder haben sie für dich auch einen persönlichen Wert? Versuche in der nächsten Woche, deinen beruflichen Kontakten mehr Qualität zu verleihen: Sprich mit deinen Kollegen über mehr als nur Berufliches, interessiere dich ihre Tagesabläufe, ihre Bedürfnisse, ihre Persönlichkeiten. Mach eure gemeinsame Zeit zu etwas Besonderem, lass sie für dich und deine Kollegen zu einer Kraftquelle werden.
-          Nun schau dir deine privaten Kontakte an: Genießt du sie oder sind sie für dich eher eine Pflicht? Und wie ist es mit den Kontakten in deiner Familie: Pflegst du hier noch die gleichen Beziehungsmuster wie in deiner Kindheit? Oder gestattet ihr euch, dass mit dem Erwachsenwerden auch eure Beziehungen sich verändern? Profitierst hauptsächlich du von deiner Familie oder profitiert sie von dir? Findest du das angemessen oder möchtest du das verändern?
-          Pflegst du immer die gleichen Kontakte oder lässt du dich auf Neues ein? Die gleichen Kontakte für lange Zeit zu pflegen kann schön sein und Sicherheit verleihen, man kann darin aber auch erstarren. Hast du den Mut, dich auf Neues einzulassen? Knüpf neue Kontakte, mach alltägliche Kontakte zu etwas Besonderem, indem du Kleinigkeiten wahrnimmst, (ernstgemeinte!) Komplimente verteilst, ins Gespräch kommst, bestehende Beziehungen vertiefst.
-          Bei all der Kontaktpflege achte darauf, dass du selbst nicht zu kurz kommst. Beziehungen zu anderen sind wichtig, die Beziehung zu dir selbst ist es aber auch. Nimm dir die Freiräume, die du brauchst um wieder zu dir selbst zu finden und mit dir selbst ins Reine zu kommen. Lass dich auf dich selbst ein, wer du bist, wie du geworden bist, was du liebst und was nicht. Denn in Beziehungen bist du dann am wertvollsten, wenn du ganz authentisch, ganz du selbst sein kannst. Die Qualität deiner Zeit mit anderen ist wichtiger als die Quantität.

Fünftens: Spiritualität.
Was für einen Bezug hast du zu deinen Ahnen? Sind sie unbekannte Größen für dich oder hast du einen Bezug zu ihnen? Und was ist mit der Beziehung zu dem Land auf dem du lebst? Glaubst du an eine Realität, die die Welt im Innersten zusammenhält?
-          Geh deinem eigenen Stammbaum nach: Finde heraus wer deine Vorfahren waren, welche Berufe sie hatten, wo sie gelebt haben. Schau, ob es noch Bilder gibt von deinen Großeltern und den Generationen davor, zumindest Hochzeitsbilder sind oft erhalten.
-          Schau, wo in deinem Leben du deine Wurzeln siehst, wer dich geprägt hat, von wem du gelernt hast. Früher war es oft üblich, dass man für eine sehr lange Zeit von einem bestimmten Menschen gelernt hat – gibt es so jemanden in deinem Leben? Wie hat dich das geprägt, was du dort gelernt hast? Was machst du heute aus diesem Erbe? Und wie willst du es weitergeben?
-          Wer ist dein Volk? Wer sind die Menschen, denen du dich zugehörig fühlst, für die du dich einsetzt? Und ist dies für dich von einem bestimmten Ort abhängig oder existiert es unabhängig davon?
-          Beschäftige dich mit der Geschichte des Ortes, an dem du lebst. Forsche nach, was die Menschen dort früher erbaut haben, wie sie gelebt haben, was ihnen wichtig war. Besuche alte Monumente wie Burgruinen und alte Kirchen, schau dich in Museen um, geh in Bibliotheken, finde heraus, wie deine Gegend in vorchristlicher Zeit aussah.
-          Geh raus in die Natur. Fühle den Wind im Haar, den Regen und die Sonne auf der Haut, die Erde unter deinen Füßen. Mach dich mit den Pflanzen in deiner Umgebung vertraut, finde heraus, welche essbar sind und welche giftig und was für Heilwirkungen in ihnen verborgen sind. Setz dich unter einen Baum und spüre seine Stärke. Hör den Vögeln zu und lerne ihren Gesang zu unterscheiden.
-          Wer oder was ist dein Gott? Was ist für dich das Heiligste, der höchste Wert, das, wofür du alles andere aufgeben würdest? Was trägt dein Leben? Was ist für dich der Urgrund allen Seins? Lerne unterschiedliche spirituelle Wege kennen und schaue, welcher zu dir passt.
-          Gib dir Zeit zur Entfaltung deiner inneren Räume. Hab Mut, deine eigene Kreativität zu entdecken. Probier Unterschiedliches aus: Tanzen, Malen, Handwerken, Tiere pflegen, Pflanzen züchten… Probier Meditation und Entspannungsmethoden aus.
-          Gib deinem Leben einen eigenen Rhythmus. Finde Rituale, die dein Leben und deinen Tag strukturieren und zu dir passen. Und wenn du keine vorgegebenen Rituale findest, die dir zusagen, dann schaffe dir deine eigenen.

Deine Entscheidungen von gestern haben zu dem Leben geführt, das du heute hast.
Entscheide dich heute für das Leben, das du morgen führen willst.


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