Sonntag, 21. Dezember 2014

Die Reise des Kriegers Said - Episode 7: Die Herausforderung



„Weshalb bist du nicht bei Fouad geblieben, wenn eure Verbindung doch so stark ist?“
„Mich als nichtsnutzigen Krüppel bei Hofe durchfüttern lassen? Nein, das ist nichts für mich. Ich brauche eine Aufgabe, eine sinnvolle Aufgabe, und nach jenem Attentat saß ich nur noch im Palast herum und die Tage wurden mir lang. Eine Zeit lang tat es mir gut so umsorgt zu werden, aber irgendwann konnte ich die mitleidsvollen Blicke nicht mehr ertragen – so konnte ich einfach nicht weiterleben. Daher beschloss ich Alban Eilir zu verlassen als meine Kräfte so weit zurückgekehrt waren, dass ich wieder einigermaßen von der Stelle kam.“
„Und Fouad hat dich einfach ziehen lassen?“
„Nein, ganz und gar nicht. Er hat bis heute nicht verstanden, dass meine Entscheidung zum Aufbruch keine Entscheidung gegen ihn war, sondern eine Entscheidung für mich. Ich hatte mich einst entschieden, mein Leben an seiner Seite zu verbringen und sein Leben und  seinen Ruf zu schützen. Doch die Umstände machten mir das nun unmöglich. Ich war ein Teil seines Lebens gewesen, er aber nicht wirklich ein Teil des meinigen. Er hatte nie begriffen, was es bedeutete, ein Krieger von At-Ta’ir zu sein und Entscheidungen von solcher Tragweite und Verbindlichkeit zu treffen.“
„Und was ist mit deiner Entscheidung an seiner Seite zu sein?“
„Das war eine einseitige Entscheidung. Ich hatte mich für ihn entschieden, er sich aber nicht für mich. Und deshalb musste ich gehen, insbesondere nach dieser kritischen Situation. Als Partner auf Augenhöhe hätte ich vielleicht bleiben können, das Leben verändert sich, das steht man durch. Aber ich konnte nicht bleiben als einer, der irgendwie einfach zum Inventar dazugehörte. Ja, Fouad hatte mich liebgewonnen, er war es gewohnt, dass ich da war und irgendwie funktionierte – aber er hatte sich nie dafür entschieden, ein wichtiger Teil meines Lebens sein zu wollen, und deshalb musste ich gehen.“
„Ich verstehe.“
„Es war für mich eine wichtige Entscheidung, Alban Eilir zu verlassen. Doch diese Entscheidung liegt nun hinter mir. Jetzt bin ich hier und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Mein Traum, meine Eide an der Seite von Fouad zu erfüllen, ist zerbrochen. Wer weiß, ob ich überhaupt je wieder in gewohnter Weise arbeiten kann? Genauso wie früher sicher nicht. Wie soll ich jetzt leben? Wohin gehen, nachdem mich mein Pfad schon so weit weggeführt hat von seinem geplanten Kurs? Ich sehe die vielen Sterne am Himmel, aber sie erscheinen mir alle gleich fern, gleich hell, gleich wichtig. Welchem soll ich nur folgen?“
„Said, Anwar und ich waren vor einiger Zeit in einer ganz ähnlichen Situation.“
„Anwar?“
„Meiner wunderbare Frau.“
„Du Gesegneter!“
„Ja, das bin ich wahrhaftig. Unsere Verbindung wurde von Vielen nicht gut geheißen, und da mussten wir…“

Auf einmal erhob sich im Hintergrund beim Zelt der Frauen wildes Geschrei.
„Elvedin!“, rief eine Frauenstimme, „komm schnell her!“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen