Sonntag, 20. April 2014

Ostern – Es lebt!



„Frohlocket, ihr Chöre der Engel,
frohlocket, ihr himmlischen Scharen,
lasset die Posaune erschallen,
preiset den Sieger, den erhabenen König!

Lobsinge, du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe!
Licht des großen Königs umleuchtet dich.
Siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel.“

(Beginn des Exsultet, des Gesangs zum Lob der Osterkerze zu Beginn der Osternacht)




Die Auferstehung macht den Tod, die Trauer, das Grauen nicht ungeschehen.
Aber sie macht es lebbar.

Seine Augen leuchten wieder.
Sein Lachen klingt wieder.
Seine Geschichten leben wieder.
Er ist wieder da, und doch ganz anders als zuvor.

Die Tradition erzählt uns heute Nacht davon,
wie Gott die Welt erschuf, sie für gut befand und sie den Menschen übergab,
wie Abraham bereit war, das Wichtigste in seinem Leben aufzugeben und ihm Segen in Fülle verheißen wurde,
wie Moses mit dem Engel Gottes das Volk Israel aus der Sklaverei führte und die übermächtig erscheinenden Ägypter vernichtet wurden,
wie Jesaja Israel Gottes unbedingte Treue zusagt
und einen ewigen Bund mit Wasser, Nahrung und Segen in Fülle,
wie Baruch auf die Gebote des Lebens verweist,
wie Ezechiel davon spricht, dass Gott uns ein neues Herz und einen neuen Geist gibt, das Herz aus Stein aus unserer Brust nimmt und uns ein lebendiges Herz gibt,
wie Paulus davon spricht, dass wir auch mit Christus leben werden, wenn wir mit ihm gestorben sind,
und wie der Auferstandene den Frauen am Grab erschien und ihnen die Furcht nahm.

Banana Yoshimoto erzählt in „Der grüne Daumen“ die Geschichte, wie ihre Schwester einst eine Aloe-Pflanze an eine Stelle am Rand des Gartens setzte. Die Aloe wuchs und wuchs, und irgendwann war sie so groß, dass sie den Gehweg überwucherte und den Parkplatz. Irgendwann forderte ihr Vater, dass sie die Aloe umsetzten oder er würde sie herausreißen. Die Mädchen wehrten sich lange gegen diese Aufgabe, doch nach einem Besuch bei ihrer sterbenden Großmutter, die diesen Wunsch äußerte, setzte sie die Aloe an einen Platz im Garten, an dem sie wachsen und gedeihen konnte. Ihre Großmutter prophezeite ihr, wenn sie eine Aloe rettete, wären ihr fortan alle Aloe-Pflanzen verbunden, und genauso empfand sie es.

Wenn wir Dinge zum Leben erwecken, oder ihnen einen Platz geben, an dem sie leben können, sind wir mit allem Leben verbunden.
Wenn man einmal damit begonnen hat, Lebendes zu kultivieren, kann man damit nicht mehr aufhören, auch wenn dieser Pfad zwischenzeitlich von anderem überwuchert sein mag.
Doch wenn man die Machete ansetzt und alles wegschlägt, was diesen Pfad verstellt, ist er wieder da, reiner und klarer als zuvor.

Wir können Dinge zum Leben erwecken.
Wir können in einer alten liebgewonnenen Teekanne, die wir nicht mehr benutzen, Kräuter pflanzen, oder eine alte Tischplatte neu streichen, ein Möbelstück renovieren, ein Buch einbinden, eine Wand verschönern.

Viele Menschen ziehen auf ihrem Balkon Pflanzen zu Zierde, Pflanzen, die Augen und Seele erfreuen. Wir können aber auch anderes ziehen: Pflanzen, die Bienen und Schmetterlinge nähren, oder uns selbst.

Wenn wir Lebendiges sehen, das unser Auge erfreut, wenn wir Lebendiges ziehen, das uns nährt, dann fällt es oft auch leichter, im Zwischenmenschlichen auf die Karte des Lebendigen zu setzen.

“Quo vadis?” – “Wohin gehst du?”
Du entscheidest, ob du den Weg des Lebens oder den Weg des Todes gehst.

„Ich bin ein Gott des Lebens und nicht des Todes.“ Wie oft haben wir das schon gehört!
Aber haben wir es verstanden?

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