Mittwoch, 8. Januar 2014

Wie wurden die Sterndeuter eigentlich zu Königen?



…fragte mich gestern ein Schüler.
Tja, das ist eine gute Frage. Der Evangelist Matthäus spricht von „Magoi aus dem Osten“, die geführt von einem Stern nach Israel kamen, um dem neugeborenen König zu huldigen und ihm Gold, Weihrauch uns Myrrhe zu bringen. Auch die Ansicht,dass es drei gewesen sein sollen, setzte sich erst später durch. Tertullian sprach im 3. Jahrhundert erstmals von ihnen als Königen, die Legenda Aurea erklärte sie als Sterndeuter, Philosophen und Zauberer. Vermutlich handelte es sich bei ihnen um medische Priester. Die Einheitsübersetzung wählt „Sterndeuter“, Luther „Weise“ und die Bibel in gerechter Sprache „königliche Magier“ als Übersetzung.
Ob Sterndeuter oder Könige – was macht den Unterschied aus?
Sterndeuter und Magier waren oftmals enge Berater von Königen und anderen Machthabern und bestimmten durch ihre Beratungen auch die Politik mit. Je nach dem König, dem sie dienten, konnten sie viel Macht erhalten oder ihres Lebens kaum mehr sicher sein. In der Regel waren sie aber von ihrem König und dessen Wohlwollen abhängig.
Könige dahingegen waren diejenigen, die entschieden, sich beraten ließen, Macht ausübten, oft auch viel Reichtum anhäuften.
Vielleicht haben sich die Menschen, die diese Geschichte zuerst hörten gefragt, ob abhängige Berater, auch wenn es königliche waren, denn das Vermögen und die Unabhängigkeit besaßen, um solch eine lange Reise zu unternehmen und dann einem Kind so wertvolle Geschenke zu machen: Gold war das wertvollste Edelmetall und Zahlungsmittel, Weihrauch wird auch heute noch als angemessenes Gastgeschenk für einen Scheich in Saudi-Arabien betrachtet und Myrrhe war ein Heilmittel, Bestandteil des Salböls zur Salbung heiliger Orte und Menschen und zur Einbalsamierung von Toten und von Parfums. Konnten tatsächlich Sterndeuter solche Reichtümer besitzen?
Vielleicht war es aber auch die Begegnung mit dem Neugeborenen, die sie zu Königen machte: Sie machten sich auf, weil sie am Himmel eine ungewöhnliche Erscheinung sahen und folgten ihr einen langen Weg, sicher war er reich an Entbehrungen. Vielleicht waren sie zwischendurch immer wieder mutlos, zweifelten, ob sie die Reise fortsetzen sollten, die sie so weit von ihren gewohnten Gefilden wegführte in Gegenden, die ihnen völlig unbekannt waren. Aber irgendetwas trieb sie, um diese Reise fortzusetzen und ihr unbekanntes Ziel zu finden. Während der Reise waren sie für eine lange Zeit Suchende. Wie mag es ihnen gegangen sein, als sie plötzlich feststellten, dass sie ihr Ziel gefunden hatten? Dass das Kind in der armseligen Krippe tatsächlich das Ziel war, für das sie ihre Heimat verlassen und monatelang gegangen waren, Wege voller Einsamkeit, Hunger, Durst und Ungewissheit? Sie müssen dort etwas erfahren haben, das diesen Moment für sie zu etwas ganz Außergewöhnlichem machte. Sie stellten fest, dass sie dort, an diesem ungewöhnlichen Ort, am Ziel ihrer Suche waren, dass von diesem Kind etwas Besonderes ausging, dass dieses das Kind war, dem sie ihre Geschenke geben wollten. Es muss ein Moment voll Zauber gewesen sein. Die Magier, die ansonsten andere Leute verzauberten, wurden von der göttlichen Präsenz in diesem Kind verzaubert. Und dies änderte alles. Sie waren nicht mehr Suchende, sondern gefunden Habende. Dieses göttliche Kind hatte ihnen ein Stück vom Himmel geschenkt und machte die Suchenden so zu Königen.
Wie ist es mit uns?
Gehen wir auf den Wegen eines anderen, der unser Handeln lenkt, unsere Wege bestimmt? 
Oder haben wir den Mut unserem Stern zu folgen, einen beschwerlichen Weg zu gehen, uns verzaubern zu lassen und schließlich König unseres eigenen Lebens zu werden?

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